Präsenzveranstaltung
- Thema:
- Die Praxis der qualitativen Sozial- und Organisationsforschung
- Semester:
- Wintersemester 2026/27
- Zielgruppe:
- BA PVS: Modul 25602/M2; MA Soz: Modul 26602/2; alle weiteren Interessierten
- Ort:
- wird zu Beginn des Semesters bekanntgegeben
- Termin:
- 22.01.2027
bis
23.01.2027 - Zeitraum:
- Freitag, 22.01.2027, 13:00-18:00 Uhr
Samstag, 23.01.2027, 09:00- ca. 17:00 Uhr - Leitung:
- Dr. Max Kaufmann
- Anmeldefrist:
- 11.12.2026
- Anmeldung:
- Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular für eine verbindliche Anmeldung bis zum 11.12.2026.
Für das Präsenzseminar gibt es eine Mindestanzahl an Teilnehmer:innen von 12 Personen und eine maxi-male Anzahl an Teilnehmer:innen von 30 Personen. Sollten bis zum Ende der Anmeldefrist weniger als 12 Anmeldungen eingehen, kann das seminar nicht stattfinden. Liegt die Zahl der Anmeldungen höher als die mögliche Anzahl an Teilnehmer:innen, werden die seminarplätze in der Reihenfolge der Anmeldungen vergeben. Wir informieren Sie umgehend nach Anmeldeschluss. - Hinweis:
- Veranstaltung wird als seminar im Sinne der Studienordnung anerkannt. Es wird eine Teilnahmebescheinigung ausgestellt.
Wer die qualitative Sozialforschung nur aus der Methodenliteratur kennt und dann mit der Auswertung eigenen Materials beginnt, macht eine ernüchternde Erfahrung. In den Darstellungen erscheint die interpretative Arbeit am Datenmaterial als geordnetes Verfahren: Das Material wird aufbereitet, kodiert oder sequenziell erschlossen, ein (Verfahrens-)Schritt folgt auf den nächsten und am Ende stehen dann belastbare Erkenntnisse.
In der Praxis der qualitativen Forschung geht es dagegen erheblich unordentlicher zu. Man springt zwischen Passagen und zwischen Datensorten hin und her, verwirft, was eben noch Sinn gemacht hat, verfasst Memos, von denen die Hälfte nie wieder auftaucht und die andere Hälfte Wochen später unter ganz anderen Vorzeichen wieder brauchbar wird. Dazwischen kommt gelegentlich – meist unvorbereitet – jener Einfall, der auf einmal alles anders aussehen lässt. Was die Lehrbücher als Abfolge darstellen, ist im Forschungsalltag tatsächlich vielmehr ein kreatives Durcheinander aus Umwegen, Verwerfungen und plötzlichen Fügungen. Was dabei hilft, ist das Gespräch mit anderen. Wer eine Deutung ausspricht, merkt oft schon beim Formulieren, wie weit sie trägt, und erfährt spätestens dann, wenn ihm*ihr jemand widerspricht, ob sie mehr war als eine plausible Idee.
Genau diese Praxis steht im Zentrum des seminars. Gemeinsam wird gesichtet, gedeutet und diskutiert, und zwar Interviewpassagen ebenso wie Beobachtungsprotokolle, Dokumente und weitere Datensorten aus unterschiedlichen organisationalen Forschungsfeldern und Forschungsprojekten. Dabei geht es immer wieder um die Frage, was (sozial)wissenschaftliches Interpretieren eigentlich ausmacht und wie aus Interpretationen Aussagen und wissenschaftliche Erkenntnisse werden.
Das seminar beginnt am Freitag mit einer kurzen Einführung in die Prämissen, Vorgehensweisen und Herausforderungen qualitativer Sozialforschung. Der Fokus wird dabei auf qualitativen sowie interpretativen Auswertungsverfahren liegen, die entlang von Beobachtungsprotokollen und Interviewausschnitten dargestellt und angewendet werden. Am Samstagvormittag begeben wir uns, nach einer vertieften Darstellung des praktischen Vorgehens, gemeinsam in die Analyse von Daten aus aktuellen und abgeschlossenen Forschungsprojekten.
Praktische Methodenkenntnisse sind willkommen, aber keine Voraussetzung für die Teilnahme am seminar. Erwartet wird jedoch die Bereitschaft, eigene Deutungen zur Diskussion zu stellen und sich an der gemeinsamen Interpretation zu beteiligen. Das seminar möchte so praktische Methodenkompetenzen vermitteln und die Inhalte der Kurse der Module anwendungsbezogen illustrieren. Daten aus eigenen Forschungsprojekten (z.B. Haus- oder Abschlussarbeiten) sind sehr willkommen! Wenn Sie etwas mitbringen möchten, kontaktieren Sie mich hierzu bitte im Vorfeld des seminars.