Ruhestand nach über 40 Jahren: „Für mich schließt sich ein Kreis“
Foto: FernUniversität
Die promovierte Mathematikerin Dr. Daniela Keller war 41 Jahre lang an der FernUniversität in Hagen tätig – zuletzt als Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Fakultät für Mathematik und Informatik. Nun geht sie in den Ruhestand.
Der Hype um Künstliche Intelligenz, den Dr. Daniela Keller aktuell erlebt, ist nicht der erste: „Schon in den 1990er Jahren gab es einen ki-Boom. Bis man festgestellt hat, dass das doch alles gar nicht so umsetzbar ist“, erinnert sich die Wissenschaftlerin. Bevor sie 2004 an Prof. Steimanns Lehrstuhl für Programmiersysteme wechselte, arbeitete Daniela Keller im Team von Prof. Dr. Claus Unger, der auch im Bereich ki forschte. Um die nötige Rechenpower aufzubringen, hatte der Lehrstuhl SUN-Workstations beschafft – große Maschinen, die dennoch nicht mit dem Hardwarehunger von ki-Anwendungen mithalten konnten. „Selbst die größten Workstations haben das nicht geschafft. Ein Kollege von mir konnte damals immer nur kleine Beispiele laufen lassen.“
Heute sieht die Welt anders aus: Künstliche Intelligenz ist im Alltag der Menschen angekommen. Das nimmt die Mathematikerin auch mit Blick auf die FernUni-Studierenden war, die selbst einiges an Innovationskraft mit ins Informatikstudium bringen. So befassen sich viele der Abschlussarbeiten, die Daniela Keller zuletzt betreut hat, mit Spezialthemen der ki. Auch Programmiersysteme, das Fachgebiet von Prof. Steimann, sind inzwischen an vielen Stellen verwoben mit Techniken der Künstlichen Intelligenz. „Mit den Programmiersystemen begegne ich wieder dem Thema ki. Für mich schließt sich damit ein Kreis: Ich habe mit ki angefangen – und höre nun 2026 wieder damit auf.“
Hochachtung vor Studierenden
Auf die Leistungen ihrer Studierenden blickt die Lehrende mit großem Respekt, stemmen doch viele den Studienalltag zwischen Beruf, Familie und Co. „Ich bin heilfroh, dass ich hier an der FernUni war. Unsere Fernstudierenden sind Leute, mit denen man vernünftig sprechen kann – und die wissen, was sie wollen.“ Das hat auch Frau Keller selbst immer wieder motiviert, intellektuell gefordert und bei der Stange gehalten. „Man muss nur damit rechnen, dass in den Leben der FernUni-Studis viel passiert.“ Daniela Keller hat vieles aus dem Alltag der Studis erfahren, Schönes wie Trauriges – von Hochzeit und Geburt bis hin zum dramatischen Verlust von Angehörigen. Zwischen solchen Höhen und Tiefen immer wieder die Erfolge im Studium. „Ich war an bestimmt 3000 mündlichen Modulprüfungen beteiligt“, überschlägt sie.
Zwischen Natur und Kultur
Vor Langeweile im Ruhestand fürchtet sich Daniela Keller nicht – sie hat schon das nächste größere Projekt im Auge. „Mein Mann war theoretischer Physiker“, erzählt sie. Als er verstarb, ließ er auch ein nichtwissenschaftliches Vorhaben zurück: ein Sachbuch über die bewegte Geschichte des italienischen Weinanbaus. Gerne würde Daniela Keller den Entwurf fertigstellen. „Das Manuskript liegt bei mir auf einem alten Laptop und ich habe viele Rechercheunterlagen. Ich möchte alles sichten, sortieren – und das Werk meines Mannes vollenden.“
„Ich bin heilfroh, dass ich hier an der FernUni war.
Dr. Daniela Keller
In ihrer Wohnung am Rande von Herdecke findet sie die nötige Ruhe. „Ich bin in fünf Minuten im Wald.“ Daniela Keller ist gerne draußen, passionierte Reiterin. „Ich habe ein Haflinger-Pferd. Ein wunderschönes Tier mit blonder Mähne.“ Das Tier, inzwischen 23-Jahre alt, geht mit der 69-Jährigen in Rente. „Mein Pferd muss mich nicht mehr tragen. Nur noch ein kind, das eine Reitbeteiligung hat.“ Neben Natur und Tieren liebt die Wissenschaftlerin die Kultur. So geht sie zum Beispiel gerne in die Oper. „Die Inszenierungen in Hagen sind sehr gut“, wirbt sie für das Kulturangebot vor Ort.
Niemals geht man so ganz
Für Friedrich Steimann war Daniela Keller immer ein starker Pfeiler. So wirkte die Mathematikerin als gute Seele, die das Team auch in stressigen Phasen zusammenhielt und für die notwendige Moral sorgte, sei es mit aufmunternden Worten oder mit Schokolade. Für alles, was seine Kollegin am Lehrstuhl geleistet hat, ist er sehr dankbar: „Frau Keller war für mich ein Geschenk, als ich hier angefangen habe – und ist es all die Jahre geblieben.“ Der Gedanke, dass sie weiterhin Kontakt mit dem Team halten und vielleicht sogar noch die eine oder andere Abschlussarbeit betreuen möchte, tröstet ihn: „Frau Keller behält ihren Schlüssel, soviel steht fest.“
Kommentare (4)
gerne denke ich an unsere aufschlussreichen dienstlichen und persönlichen Begegnungen!
Viel Freude bei der Fertigstellung des Sachbuches und alles Gute für Sie in Natur und Kultur!
Dorothee Schulze
auch Ihr Engagement für Gleichstellung wird in Erinnerung bleiben. Ich wünsche Ihnen alles Gute für Ihr weiteres Vorhaben und vor allem Gesundheit.
Viele liebe Grüße
Melanie Graf
auch ich erinnere mich gern an die Zusammenarbeit mit Ihnen und habe mich immer sehr gefreut, wenn Sie bei uns am Standort in Nürnberg waren oder wir bei mündlichen Prüfungen Kontakt hatten.
Alles Gute für die Zukunft und herzliche Grüße aus Nürnberg
Myrén Neumann
auch ich erinnere mich gerne an die Zusammenarbeit, z.B. i.R.d. Prüfungen, und an Ihre Besuche am Campus München, z.B. für die Unterstützung bei den Start it up Veranstaltungen! Ich wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft, Gesundheit und viel Erfolg und Freude bei der Fertigstellung des Sachbuches!
Herzliche Grüße aus München
Nicole Berndt